Kulturschock Ringstraße

Langweilige Geschichte, trockene Architektur – dachten wir zumindest. Was uns wirklich erwartete? Ansehnliche Gebäude in interessanten und immer unterschiedlichen Baustilen mit verschiedenen Hintergründen.

Hört man das Wort Historismus, erweckt es doch eher den Eindruck von Montagmorgen, erste Stunde Geschichte, *Schnarch*, aber: keine Sorge, die Definition ist dann doch leicht zu verstehen. Er setzt nämlich einfach ein „Neu-“ vor die älteren Epochen und stellt eine Neuauflage der Merkmale zu späterer Zeit dar (z.B. Neugotik, Neubarock etc.), wodurch es auch zu einer Vermischung der Epochen kommt.
Genau diesen Baustil findet man auf der Ringstraße. Diese stellt ein kulturelles Zentrum der Stadt dar, so stehen entlang der Straße doch sehr wichtige Bauwerke, wie das Parlament, das Rathaus oder das Hauptgebäude der Universität.
Wir stellen euch drei der bemerkenswerten, von uns präsentierten Gebäude an der kulturell bedeutungsvollsten Straße Wiens vor:

 

Die Ringstraße

1. Die Uni

 

 

Frontseite des Universitätsgebäudes an der Ringstraße

Unsere Themenführung begann an der Uni, die 1365 gegründet wurde und damit eine der ältesten und mit rund 94.000 Studenten auch eine der größten Universitäten im deutschsprachigen Raum ist, an der zum Beispiel der österreichische Wissenschaftler Sigmund Freud studierte.
Groß diskutiert wurde über den sogenannten „Siegfriedskopf“, ein Gefallenendenkmal für die im 1. Weltkrieg gestorbenen Lehrer und Schüler. 1923 wurde er von Antisemiten in der Eingangshalle der Uni aufgestellt, jedoch 2006 in einen nicht ganz so berühmten Teil des Arkadenhofes verlegt. Die Diskussionen beschäftigten sich mit dem ideologischen Hintergrund der Aufstellung des Denkmals.

 

 

Der „Siegfriedskopf“: Gegenstand vieler Diskussionen

In der Zwischenkriegszeit war das Hauptgebäude Schauplatz von politischen Auseinandersetzungen, unter anderem in den Studentenkrawallen von 1928 & 1932.
Der Stil der Neorenaissance wurde hier unter anderem in Form eines großen, beeindruckenden Arkadeninnenhofes umgesetzt, sodass ein Treffpunkt für Studenten und Besucher entstand.
Unser Eindruck: Die Uni ist für uns wohl eine sehr gute Möglichkeit für das spätere Studium, so ist das Lernen in dem geräumigen, hellen Innenhof doch schon um einiges leichter.

Der geräumige Arkadeninnenhof in der Universität

 

2. Das Rathaus

 

Das Rathaus von der Vorderseite

Nächste Station: Rathaus. Es wurde 1883 fertiggestellt, somit zählt es zur Epoche der Neugotik, was man vor allem an der beeindruckenden Größe des Gebäudes sieht, denn diese wird durch nach außen verlagerte tragende Elemente ermöglicht; eine Idee der Gotik. Spitzbögen, Säulen und mehrere Türme neben dem 103 Meter hohen Hauptturm geben dem Rathaus sein imposantes Aussehen.
Mit dem Bau sollte damals wohl dem Kaiser die Stärke des Bürgertums gezeigt werden, welches eigenständig ein so beeindruckendes Gebäude für ihren Bürgermeister ermöglichte.
Heute arbeitet jedoch nicht nur der Bürgermeister dort. Auch der Gemeinderat, der Landtag mit der Landesregierung, der Wiener Stadtrat und die Stadtverwaltung haben im Rathaus ihren Sitz und machen es somit zu einem Gebäude von enormer politischer Bedeutung.
Neben dem politischen Zweck bietet das Rathaus vor allem Raum für Veranstaltungen, bis zu 800 im Jahr finden hier statt. Ob Ausstellungen, Konzerte oder Bälle, alles hat in den Räumlichkeiten seinen Platz. Für solche Anlässe gibt es zum Beispiel den Festsaal, mit seinen ausgeschmückten Wänden und Säulen, an die Figuren von wichtigen politischen Persönlichkeiten aus der Geschichte Wiens gebaut wurden.

 

 

Der Festsaal im Rathaus

 

Auch interessant ist der unter Denkmalschutz stehende Rathauskeller, der mit seiner Architektur und Wandbemalung überzeugt. Für Verköstigung ist hier ebenfalls gesorgt, denn ein Weinfass, welches 70000 Liter fasst, steht auch hier.
Unser Eindruck: Gegen dieses Gebäude sieht unser Rathaus Zuhause und selbst das in Berlin doch eher weniger imposant aus, vor allem in Sachen Architektur und Bauweise können wir uns vielleicht noch ein paar Scheiben von den Wienern abschneiden.

3. Das Parlament

 

Das Wiener Parlament

 

Während unser Führung kamen wir aufgrund der Generalsanierung nur kurz am Parlament vorbei. Stolz steht das österreichische Parlament an der Ringstraße gegenüber der Hofburg. Das kann sich aber auch sehen lassen! Der von 1847 bis 1873 errichtete Prunkbau, nach dem Entwurf von Theophil von Hansen orientiert sich am Neoklassizismus, oder genauer gesagt an einem griechisch-römischen Stil mit gotischen Einflüssen. Dementsprechend stechen einem direkt die ganzen Säulen ins Auge und die vielen Statuen im römischen Kriegsgewand. So befinden sich auf dem Dach bedeutende Schriftsteller, Politiker und Philosophen dieser Ären wie z.B. Sokrates und Platon.

Zu den Statuen gehört auch der Pallas-Athene-Brunnen, wie der Name schon sagt bildet die vier Meter hohe Athene Statue das Zentrum der Figurengruppe. Passend hält die griechische Göttin der Weisheit und des Krieges in der linken Hand einen Speer und in der rechten die Siegesgöttin Nike.
Eigentlich sollte die Athene die Weisheit und den Erfolg im Parlament symbolisieren, jedoch schaut die Figur, manch einer würde sogar sagen beschämt, vom Parlament weg; dies sorgt für einige Witze und zum Spott, wonach die Weisheit nicht im Parlament läge.

 

Der Pallas-Athene-Brunnen vor dem Parlamentsgebäude

 

Zwar war die Grundsteinlegung bereits 1874, allerdings ließen sich die Wiener Zeit und nutzten das Parlament erst 9 Jahre später zu einer ersten Plenarsaalsitzung. Darauf folgte dann 1920 die Einführung der Nationalversammlung, nachdem Kaiser Karl I. 1918 auf die Krone verzichtete. Von 1934 bis 1945 wurde das Parlamentsgebäude gar nicht benutzt. Während des zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude stark beschädigt, sodass der Plenarsaal des Herrenhauses beinahe völlig zerstört wurde.

 

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Der damalige Plenarsaal des Herrenhauses

 

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die bereits 1920 errichteten Parlamentskammern benutzt, Nationalrat und Bundesrat und befinden sich noch bis heute dort.

Unser Eindruck: Im Gegensatz zu dem Rathaus kann man nicht wirklich sagen, dass unser deutsches Parlamentsgebäude nicht an das der Österreicher heranreicht, da beide einen ähnlichen Baustil haben, jedoch ist das Österreichische von außen schon sehr imposant, gerne hätten wir es noch etwas genauer besichtigt – auch von innen, bedauerlicher Weise war dies wegen der Grundsanierung nicht möglich.

 

Es ist noch zu erwähnen, dass wir außer diesen drei Gebäuden zusätzlich das Burgtheater, den Maria-Theresien-Platz und den Burggarten besuchten und auch den Stephansdom ließen wir nicht außen vor, der im Zentrum der Stadt, umrundet von der Ringstraße so ziemlich die Hauptsehenswürdigkeit Wiens darstellt, über die wir ja auch schon was in der Stadtführung am Montag erfuhren.

Zusammenfassend: Die Ringstraße als kulturelles Zentrum Wiens ist aus einer Reiseplanung in die Stadt nicht wegzudenken (Man kommt sowieso immer mal wieder dort vorbei). Und es lohnt sich, wir alle waren von den besonderen Gebäuden an der Straße beeindruckt und das Erlebnis wird sicherlich in unserer aller Erinnerung bleiben.

 

Von Julia Benkendorf, Floriane Steinsiek und Julius Tiemann

 

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